Abend von Joseph von Eichendorff

Gestürzt sind die goldnen Brücken
Und unten und oben so still!
Es will mir nichts mehr glücken,
Ich weiß nicht mehr, was ich will.
 
Von üppig blühenden Schmerzen
Rauscht eine Wildnis im Grund,
Da spielt wie in wahnsinnigen Scherzen
Das Herz an dem schwindligen Schlund.
 
Die Felsen möchte ich packen
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Vor Zorn und Wehe und Lust,
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Und unter den brechenden Zacken
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Begraben die wilde Brust.
 
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Da kommt der Frühling gegangen,
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Wie ein Spielmann aus alter Zeit,
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Und singt von uraltem Verlangen
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So treu durch die Einsamkeit.
 
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Und über mir Lerchenlieder
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Und unter mir Blumen bunt,
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So werf ich im Grase mich nieder
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Und weine aus Herzensgrund.
 
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Da fühl ich ein tiefes Entzücken,
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Nun weiß ich wohl, was ich will,
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Es bauen sich andere Brücken,
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Das Herz wird auf einmal still.
 
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Der Abend streut rosige Flocken,
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Verhüllet die Erde nun ganz,
27 
Und durch des Schlummernden Locken
28 
Ziehn Sterne den heiligen Kranz.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.9 KB)

Details zum Gedicht „Abend“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
28
Anzahl Wörter
150
Entstehungsjahr
1788 - 1857
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Abend“ ist Joseph von Eichendorff. Geboren wurde Eichendorff im Jahr 1788 . Zwischen den Jahren 1804 und 1857 ist das Gedicht entstanden. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zur Epoche Romantik zu. Eichendorff ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche.

Als Romantik wird die Epoche der Kunstgeschichte bezeichnet, deren Ausprägungen sich sowohl in der Literatur, Kunst und Musik als auch in der Philosophie niederschlugen. Die Epoche der Romantik lässt sich vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ins späte 19. Jahrhundert verorten. Die literarische Romantik kann darauf aufbauend etwa auf die Jahre 1795 bis 1848 datiert werden. Die Literaturepoche der Romantik (ca. 1795–1848) lässt sich in Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1848) aufgliedern. Die Welt, die sich durch die beginnende Verstädterung und Industrialisierung mehr und mehr veränderte, verunsicherte die Menschen. Die Französische Revolution in den Jahren 1789 bis 1799 hatte ebenfalls Auswirkungen auf die Romantik. Als Merkmale der Romantik sind die Verklärung des Mittelalters, die Weltflucht, die Hinwendung zur Natur, die Betonung subjektiver Gefühle und des Individuums, der Rückzug in Fantasie- und Traumwelten oder die Faszination des Unheimlichen zu benennen. Bedeutende Symbole der Romantik sind die Blaue Blume oder das Spiegel- und Nachtmotiv. Strebte die Klassik nach harmonischer Vollendung und gedanklicher Klarheit, so ist die Romantik von einer an den Barock erinnernden Maß- und Regellosigkeit geprägt. Die Romantik begreift die schöpferische Phantasie des Künstlers als unendlich. Dabei baut sie zwar auf die Errungenschaften der Klassik auf. Deren Ziele und Regeln möchte sie aber hinter sich lassen.

Das Gedicht besteht aus 28 Versen mit insgesamt 7 Strophen und umfasst dabei 150 Worte. Weitere Werke des Dichters Joseph von Eichendorff sind „Die Heimat“, „In Danzig“ und „Kurze Fahrt“. Zum Autor des Gedichtes „Abend“ haben wir auf abi-pur.de weitere 391 Gedichte veröffentlicht.

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