In Danzig von Joseph von Eichendorff

Dunkle Giebel, hohe Fenster,
Thürme tief aus Nebeln sehn,
Bleiche Statuen wie Gespenster
Lautlos an den Thüren stehn.
 
Träumerisch der Mond drauf scheinet,
Dem die Stadt gar wohl gefällt,
Als läg’ zauberhaft versteinet
Drunten eine Märchenwelt.
 
Ringsher durch das tiefe Lauschen,
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Ueber alle Häuser weit,
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Nur des Meeres fernes Rauschen –
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Wunderbare Einsamkeit!
 
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Und der Thürmer wie vor Jahren
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Singet ein uraltes Lied:
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Wolle Gott den Schiffer wahren,
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Der bei Nacht vorüberzieht!
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.5 KB)

Details zum Gedicht „In Danzig“

Anzahl Strophen
4
Anzahl Verse
16
Anzahl Wörter
71
Entstehungsjahr
1842
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „In Danzig“ wurde vom deutschen Lyriker und Schriftsteller Joseph von Eichendorff verfasst, der von 1788 bis 1857 lebte. Dies ordnet das Werk in die Epoche der Romantik ein, welches sich etwa von Ende des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts erstreckt.

Beim ersten Lesen fällt die düstere, traumhafte und ruhige Atmosphäre des Gedichts auf, die durch die Beschreibung des nächtlichen Stadtbildes von Danzig entsteht. Bildreiche Elemente erzeugen eine dramatische und einsame Stimmung.

In einfacheren Worten beschreibt das lyrische Ich das Erscheinungsbild der Stadt Danzig bei Nacht. Die Stadt scheint verlassen, nur von Statuen und hohen Gebäuden bevölkert, die aus dem Nebel emporragen. Der Mond scheint auf dieses urbane Märchenland und lässt es in mysteriösem Licht erstrahlen. Das einzige Geräusch, das die Stille durchdringt, ist das ferne Rauschen des Meeres, was eine besondere Isolation betont. Als schließlich ein Türmer ein uraltes Lied singt, um einen vorbeiziehenden Schiffer zu schützen, verstärkt sich die Stimmung der geheimnisvollen und zeitlosen Einsamkeit.

Schaut man genauer auf die Form des Gedichts, so erkennt man, dass es in vier Strophen unterteilt ist. Jede Strophe besteht aus vier Versen, was auf eine gewisse Regelmäßigkeit und Symmetrie hindeutet. Eichendorff bedient sich einer klaren, unverschnörkelten Sprache, die gleichzeitig sehr bildhaft ist. Diese intuitive und bildliche Darstellung der Stadt sowie die Verwendung von Märchen- und Fabelmotiven sind typische Stilmittel der Romantik.

Zusammenfassend interpretiert lässt sich sagen, dass das lyrische Ich in Eichendorffs „In Danzig“ seine subjektive, träumerische und einsame Wahrnehmung der Nacht in der Stadt darstellt. Gleichzeitig spiegelt es thematisch die romantische Sehnsucht nach dem Märchenhaften, Wunderbaren und Geheimnisvollen wider.

Weitere Informationen

Joseph von Eichendorff ist der Autor des Gedichtes „In Danzig“. Geboren wurde Eichendorff im Jahr 1788 . Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1842 zurück. Leipzig, Voigt & Günther ist der Erscheinungsort des Textes. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text der Epoche Romantik zugeordnet werden. Der Schriftsteller Eichendorff ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche.

Der Romantik vorausgegangen waren die Epochen der Weimarer Klassik und der Aufklärung. Die Literaturepoche der Romantik ist zeitlich vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein einzuordnen. Insbesondere auf den Gebieten der bildenden Kunst, der Musik und der Literatur hatte diese Epoche Auswirkungen. Die Romantik wird in Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1848) unterschieden. Die Welt, die sich durch die einsetzende Verstädterung und Industrialisierung mehr und mehr veränderte, verunsicherte die Menschen. Die Französische Revolution in den Jahren 1789 bis 1799 hatte ebenfalls Auswirkungen auf die Romantik. In der Romantik finden sich unterschiedliche charakteristische Motivkreise. Sehnsucht und Liebe (Blaue Blume) oder das Unheimliche (Spiegelmotiv) sind bedeutende zu benennende Motive. Auch politische Motive wie Weltflucht, Nationalismus und Gesellschaftskritik lassen sich aufzeigen. Das Mittelalter gilt bei den Romantikern als Ideal und wird verherrlicht. Übel und Missstände des Mittelalters bleiben jedoch unbeachtet. Die Romantik stellt die Freiheit der Phantasie sowohl über die Form als auch über den Inhalt des Werkes. Eine Konsequenz daraus ist ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Lyrik und Epik. Die starren Regeln und Ziele der Klassik werden in der Romantik zurückgelassen. Eine gewisse Maß- und Regellosigkeit in den Werken fällt auf.

Das 71 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 16 Versen mit insgesamt 4 Strophen. Der Dichter Joseph von Eichendorff ist auch der Autor für Gedichte wie „Mondnacht“, „Morgengebet“ und „Ostern“. Zum Autor des Gedichtes „In Danzig“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 395 Gedichte vor.

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