Mädchenliebe von Isolde Kurz

Nächtlich war's am stillen Weiher,
Wo ich ihm zur Seite stand,
Als im Wind mein langer Schleier
Sich um seinen Nacken wand.
 
Ach, was ließ ich's nur geschehen!
Daß er fest den Knoten schlang,
Mich an seiner Hand zu gehen,
Ein gefangnes Füllen, zwang!
 
Denn seitdem auf allen Wegen
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Fühlt' ich unzerreißlich stets
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Über mich und ihn sich legen
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Magisch jenes Schleiers Netz.
 
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Seit mich gar sein Arm umwindet,
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Schwand der Freiheit letzter Rest.
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Fessel, die uns beide bindet,
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Liebe Fessel, halte fest!
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.1 KB)

Details zum Gedicht „Mädchenliebe“

Autor
Isolde Kurz
Anzahl Strophen
4
Anzahl Verse
16
Anzahl Wörter
83
Entstehungsjahr
1853 - 1944
Epoche
Realismus,
Naturalismus,
Moderne

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Mädchenliebe“ wurde von Isolde Kurz verfasst, einer deutschen Schriftstellerin und Dichterin, die von 1853 bis 1944 lebte. Sie war eine bedeutende Vertreterin der späten Romantik und des Impressionismus, was auf einen zeitlichen Kontext von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts hindeutet.

Auf den ersten Eindruck wirkt das Gedicht harmonisch und emotional. Es beschreibt das Aufkeimen jugendlicher Liebe und die damit verbundenen Gefühle und Verpflichtungen.

Das lyrische Ich in diesem Gedicht erzählt eine persönliche Geschichte von der Begegnung mit einem Liebenden an einem stillen Weiher. Durch die versehentliche Umwicklung des Schleiers - einem traditionellen Symbol für Jungfräulichkeit und Unschuld - um seinen Hals, entsteht eine symbolische Verbindung zwischen den beiden. Das lyrische Ich stellt sich als „gefangnes Füllen“ dar, was eine gewisse Ohnmacht gegenüber den aufkommenden Gefühlen beteuert. Trotz der metaphorischen Gefangenschaft, nimmt das lyrische Ich diese positiv wahr und begrüßt die Bindung an den Geliebten.

Das Gedicht ist in vier gleich aufgebaute Strophen mit jeweils vier Versen unterteilt. Es folgt kein erkennbares Reimschema. Die Sprache ist relativ einfach und direkt mit gelegentlichen Metaphern. Das Hauptbild des Gedichts ist der „Schleier“, der metaphorisch die Bindung zwischen den Liebenden darstellt. Eine weitere Einschränkung findet das lyrische Ich schließlich im Arm des Geliebten, was als weitere Bestätigung der nun freiwillig ersehnten Unfreiheit verstanden werden kann.

Insgesamt illustriert das Gedicht „Mädchenliebe“ von Isolde Kurz die emotionale Entwicklung einer jungen Frau in ihrem ersten Liebeserlebnis und die Akzeptanz der damit verbundenen „Fesseln“ als Zeichen einer tief empfundenen Liebe.

Weitere Informationen

Die Autorin des Gedichtes „Mädchenliebe“ ist Isolde Kurz. Geboren wurde Kurz im Jahr 1853 in Stuttgart. Das Gedicht ist in der Zeit von 1869 bis 1944 entstanden. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten der Autorin lassen eine Zuordnung zu den Epochen Realismus, Naturalismus, Moderne, Expressionismus, Avantgarde / Dadaismus, Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit oder Exilliteratur zu. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche prüfe bitte die Richtigkeit der Zuordnung. Die Auswahl der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das 83 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 16 Versen mit insgesamt 4 Strophen. Weitere Werke der Dichterin Isolde Kurz sind „Am jüngsten Tag“, „Nekropolis“ und „Ohne Spur dahin“. Auf abi-pur.de liegen zur Autorin des Gedichtes „Mädchenliebe“ keine weiteren Gedichte vor.

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