Erlkönigs Tochter von Johann Gottfried Herder

Herr Oluf reitet spät und weit,
Zu bieten auf seine Hochzeitsleut;
 
Da tanzen die Elfen auf grünem Land,
Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand.
 
"Willkommen, Herr Oluf! Was eilst von hier?
Tritt her in den Reihen und tanz mit mir."
 
"Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Frühmorgen ist mein Hochzeittag."
 
"Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,
10 
Zwei güldne Sporne schenk ich dir.
 
11 
Ein Hemd von Seide so weiß und fein,
12 
Meine Mutter bleicht's mit Mondenschein."
 
13 
"Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
14 
Frühmorgen ist mein Hochzeitstag."
 
15 
"Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,
16 
Einen Haufen Goldes schenk ich dir."
 
17 
"Einen Haufen Goldes nähm ich wohl;
18 
Doch tanzen ich nicht darf noch soll."
 
19 
"Und willt, Herr Oluf, nicht tanzen mit mir,
20 
Soll Seuch und Krankheit folgen dir."
 
21 
Sie tät einen Schalg ihm auf sein Herz,
22 
Noch nimmer fühlt er solchen Schmerz.
 
23 
Sie hob ihn bleichend auf sein Pferd.
24 
"Reit heim nun zu deine'm Fräulein wert."
 
25 
Und als er kam vor Hauses Tür,
26 
Seine Mutter zitternd stand dafür.
 
27 
"Hör an, mein Sohn, sag an mir gleich,
28 
Wie ist dein' Farbe blaß und bleich?"
 
29 
"Und sollt sie nicht sein blaß und bleich,
30 
Ich traf in Erlenkönigs Reich."
 
31 
"Hör an, mein Sohn, so lieb und traut,
32 
Was soll ich nun sagen deiner Braut?"
 
33 
"Sagt ihr, ich sei im Wald zur Stund,
34 
Zu proben da mein Pferd und Hund."
 
35 
Frühmorgen und als es Tag kaum war,
36 
Da kam die Braut mit der Hochzeitschar.
 
37 
"Sie schenkten Met, sie schenkten Wein;
38 
Wo ist Herr Oluf, der Bräutigam mein?"
 
39 
"Herr Oluf, er ritt in Wald zur Stund,
40 
Er probt allda sein Pferd und Hund."
 
41 
Die Braut hob auf den Scharlach rot,
42 
Da lag Herr Oluf, und er war tot.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27.1 KB)

Details zum Gedicht „Erlkönigs Tochter“

Anzahl Strophen
21
Anzahl Verse
42
Anzahl Wörter
287
Entstehungsjahr
1744 - 1803
Epoche
Sturm & Drang,
Klassik

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Erlkönigs Tochter“ des Autors Johann Gottfried Herder. Herder wurde im Jahr 1744 in Mohrungen (Ostpreußen) geboren. Im Zeitraum zwischen 1760 und 1803 ist das Gedicht entstanden. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht den Epochen Sturm & Drang oder Klassik zuordnen. Bei dem Schriftsteller Herder handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen.

Sturm und Drang ist die Bezeichnung für die Literaturepoche in den Jahren von etwa 1765 bis 1790 und wird häufig auch Geniezeit oder zeitgenössische Genieperiode genannt. Diese Bezeichnung entstand durch die Verherrlichung des Genies als Urbild des höheren Menschen und Künstlers. Der Sturm und Drang knüpft an die Empfindsamkeit an und geht später in die Klassik über. Die Epoche des Sturm und Drang war die Phase der Rebellion junger deutscher Autoren, die sich gegen die Prinzipien der Aufklärung und das gesellschaftliche System wendeten. Die Schriftsteller der Epoche des Sturm und Drangs waren häufig unter 30 Jahre alt. Um die subjektiven Empfindungen des lyrischen Ichs zum Vorschein zu bringen, wurde insbesondere darauf geachtet eine geeignete Sprache zu finden und in den Gedichten einzusetzen. Die traditionellen Werke vorheriger Epochen wurden geschätzt und dienten als Inspiration. Dennoch wurde eine eigene Jugendkultur und Jugendsprache mit kraftvollen Ausdrücken, Ausrufen, Wiederholungen und Halbsätzen geschaffen. Mit dem Hinwenden Goethes und Schillers zur Weimarer Klassik endete der Sturm und Drang.

Prägend für die Literatur der Weimarer Klassik war die Französische Revolution. Menschen setzten sich dafür ein, dass für alle die gleichen Rechte gelten sollten. Der Beginn der Weimarer Klassik ist im Jahr 1786 auszumachen. Die Epoche der Klassik endete im Jahr 1832 mit dem Tod Johann Wolfgang von Goethes. Sowohl Klassik als auch Weimarer Klassik sind oftmals verwendete Bezeichnungen für die Literaturepoche. Die Weimarer Klassik geht von einer Erziehbarkeit des Menschen zum Guten aus. Ihr Bestreben ist die Humanität, die wahre Menschlichkeit (das Schöne, Gute, Wahre). Die Dichter der Weimarer Klassik gingen davon aus, dass Gott den Menschen Vernunft und Gefühle gibt und die Menschen damit dem Leben einen Sinn geben. Das Individuum ist also von höheren Mächten bestimmt. In der Klassik wird eine sehr geordnete, einheitliche Sprache verwendet. Kurze, allgemeingültige Aussagen sind oftmals in Werken der Klassik zu finden. Da man die Menschen früher mit der Kunst und somit auch mit der Literatur erziehen wollte, legte man großen Wert auf formale Ordnung und Stabilität. Metrische Ausnahmen befinden sich häufig an Stellen, die hervorgehoben werden sollen. Goethe, Schiller, Wieland und Herder bildeten das „Viergestirn“ der Weimarer Klassik. Es gab natürlich auch noch weitere Autoren, die typische Werke veröffentlichten, doch niemand übertraf die Fülle und die Popularität dieser vier Autoren.

Das vorliegende Gedicht umfasst 287 Wörter. Es baut sich aus 21 Strophen auf und besteht aus 42 Versen. Die Gedichte „Das Glück“, „Das Kind der Sorge“ und „Das Orakel“ sind weitere Werke des Autors Johann Gottfried Herder. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Erlkönigs Tochter“ weitere 413 Gedichte vor.

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