Domin, Hilde - Mit leichtem Gepäck & Sachs, Nelly - In der Flucht (Gedichtvergleich)

Schlagwörter:
Hilde Domin, Nelly Sachs, Interpretation, Analyse, Gedichtinterpretation, Referat, Hausaufgabe, Domin, Hilde - Mit leichtem Gepäck & Sachs, Nelly - In der Flucht (Gedichtvergleich)
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Referat

Gedichtvergleich:

Hilde Domin – „Mit leichtem Gepäck“ und Nelly Sachs – „In der Flucht“

Die beiden Exil-Lyrikerinnen Hilde Domin und Nelly Sachs schrieben beide Gedichte unter dem Thema „Auf der Flucht“. Hilde Domin verarbeitet in ihrem Gedicht „Mit leichtem Gepäck“, welches 1962 veröffentlicht wurde, ihre Empfindungen auf ihrer Flucht aus Deutschland, welche sie bis in die Dominikanische Republik brachte.

Das ein Jahr zuvor veröffentlichte Gedicht „In der Flucht“ von Nelly Sachs, welche gezwungenermaßen nach Schweden ziehen musste, erzählt ebenfalls von Gefühlen, die die Flucht aus Deutschland mit sich brachte, jedoch sehr unterschiedlich zu denen von Hilde Domin.

Nelly Sachs wurde am 10. Dezember 1891 in Berlin geboren und verstarb am 12. Mai 1970 in Stockholm. Sachs war eine deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin. 1966 verlieh das Nobelpreiskomitee ihr den Nobelpreis für Literatur „für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren.“ Die Stadt Dortmund benannte ihre Literaturauszeichnung Nelly-Sachs-Preis nach ihr.

Hilde Domin wurde am 27. Juli 1909 in Köln geboren und verstarb am 22. Februar 2006 in Heidelberg. Sie war eine deutsche Schriftstellerin jüdischen Glaubens. Domin war vor allem als Lyrikerin bekannt und eine bedeutende Vertreterin des „ungereimten Gedichts“. Nach ihrem Exil in der Dominikanischen Republik, der Domin ihren Künstlernamen entlehnte, lebte sie von 1961 an in Heidelberg.

Hilde Domins Gedicht umfasst fünf Strophen von jeweils fünf Versen. Diese Ordnung ist von ihr möglicherweise absichtlich gewählt, da sie sie in ihrem eigenen Leben nie hatte.

Das Gedicht von Nelly Sachs zeigt dagegen kaum eine bestimmte Ordnung. Die erste Strophe hat drei, die zweite Strophe sieben, die dritte fünf und die vierte und letzte Strophe zwei Verse.

Auch sonst wirkt der Aufbau sehr desorientiert, was sich wiederum in der Dichterin widerspiegeln könnte. In jeder Strophe gibt es bis zu zwei Gedankenstriche, welche ihre innere Stimmung noch mehr unterstreichen. Sie ist nachdenklich, vielleicht verwirrt und weiß nicht, wo sie wirklich hingehört.

Auch inhaltlich wirkt sie sehr viel haltloser als Hilde Domin. Für sie gibt es definitiv keine Heimat mehr. Sie hat den Eindruck auf der ganzen Welt zu Hause zu sein und sich nicht auf einen Ort festlegen zu müssen.

Es wird jedoch sehr schnell deutlich, dass das nicht ihre eigene gewollte Entscheidung war, mit welcher sie glücklich sein würde, sondern, dass sie wohl einfach schon jede Hoffnung aufgegeben hat jemals wieder einen Ort zu finden, der für sie Heimat bedeutet.

Sie spricht davon eingehüllt zu sein in das Tuch des Windes. Das heißt, selbst wenn in Decken eingehüllt ist, was normalerweise ein Gefühl von Schutz und Wohlbefinden gibt, ist sie immer noch schutzlos und ohne Halt. Sie kann jederzeit in alle Winde verweht werden.

Außerdem erzählt sie, dass sie mit den Füßen im Gebet des Sandes steht. Es gibt den Ausdruck „mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehen“. Er bedeutet fest in einem geregelten Leben zu stehen, zu wissen wo man hingehört. Dass sie im Sand steht, welcher jederzeit unter ihren Füßen absinken und keinen festen Halt geben kann, zeigt deutlich, dass all das nicht auf Nelly Sachs zutrifft.

Zusätzlich folgen die Worte „der niemals Amen sagen kann“. Es scheint keine Hoffnung mehr zu geben, dass diese Rastlosigkeit jemals ein Ende nehmen wird. Nelly Sachs glaubt nicht mehr daran, dass es irgendwann noch eine Rettung für sie geben wird. Sie wird sich ein Leben lang auf der Flucht befinden.

Nelly Sachs erzählt der Stein habe sich ihr in die Hand gegeben. Der Stein könnte für ihr Schicksal stehen. Ein schweres Schicksal, welches ihr unüberwindbar scheint.

Hilde Domin spricht ebenfalls von einer Rastlosigkeit. Sie sagt man dürfe sich an nichts gewöhnen, sonst bestehe auch immer die Gefahr, es verlieren zu können.

Wie der Titel schon sagt, geht es in dem Gedicht darum, was man bei sich haben sollte, wenn man wie Domin aus seinem eigenen Land in ein fremdes Land flüchten muss. Es geht ihr jedoch weniger um die materiellen Dinge, wie sie in der zweiten Strophe betont: Der verlockende Gegenstand ist zwar attraktiv beim Wohnen, jedoch nur hinderlich, wenn man nie bleiben kann und immer auf der Reise ist. Stattdessen spricht sie immer wieder von einem Löffel. Man soll ihn sich um den Hals hängen, ein Ort von großer Bedeutung nahe beim Herzen. Der Löffel hat einerseits eine praktische Seite, man braucht ihn zum Essen, eine lebensnotwendige Sache. Außerdem ist er vielleicht ein Zeichen für sie , welches sie an Heimat erinnert. Ein Gebrauchsgegenstand aus der vertrauten Küche im Haus, in dem sie groß geworden ist.

Den größeren symbolischen Wert hat er für sie jedoch als Gefäß in dem sie ihre Erinnerungen, Gedanken, Gefühle und Werte aufbewahren kann. Sie sagt es liefe ihr der Zucker durch die Finger. Das heißt all die schönen Erinnerungen, die man beispielsweise hat, wenn man sich zu Hause umsieht, würden ihr verloren gehen, könnte sie es auf ihrer Flucht nicht irgendwo bei sich behalten.

Außerdem geben ihr diese Erinnerungen und Gedanken jeden Tag neue Hoffnung irgendwann doch noch eine Heimat zu finden. Mit ihrer Hilfe ist es Hilde Domin trotz ihrer Lage möglich immer wieder positiv zu denken.

Was dafür jedoch auch eine große Bedeutung hat, ist die Tatsache, dass sie ihre Muttersprache, welche sie in der Rose sieht, als größtes Symbol für ihre Heimat noch immer bei sich tragen kann und auch nie verlieren wird. Gerade für sie, die ihre Erlebnisse im Schreiben festhalten und verarbeiten kann, hat die besondere Bedeutung.

Außerdem sagt sie, dass man ein Herz haben dürfe, also auch im Exil die Chance haben dürfe zu lieben oder geliebt zu werden.

Das wichtigste ist jedoch, dass man auch ein Grab haben dürfe. Ein Grab also nicht im Sinne von einem Loch in der Erde, in welches ein Leichnam gebettet wird, also dass jemand, der im Exil lebte nicht irgendwo in einem fremden Land, welches für ihn keinerlei Bedeutung hat, stirbt, sondern doch noch einen Ort findet, an dem er letztendlich doch noch Ruhe und Frieden findet.

Hilde Domin unterstreicht somit noch einmal, dass sie die Hoffnung irgendwann noch einen Ort zu finden, der für sie die wahre Heimat bedeutet und an dem sie den Rest ihres Lebens verbringen möchte, im Gegensatz zu Nelly Sachs, niemals aufgibt.

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