Das Grab von Johann Christoph Ludwig Thilo

Lüfte wehen, Wolken fliehen
An dem Himmel über mir ,
Grauenvolle Nebel ziehen
Schauerlich im Thale hier,
Leicht verhüllte Sterne blinken
Aus der dunkeln Höh herab,
Und verwelkte Blätter sinken
Von der Linde auf das Grab.
 
Hüllet meine müden Glieder
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In den weißen Schleier ein;
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Senkt die eingewiegten nieder
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Leis’ in diese Todtenreihn.
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Meines Herzens banges Sehnen
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Wiegt sich schon in Schlummer ein,
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Und die stillgeweinten Thränen
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Werden bald getrocknet seyn.
 
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Dann verlöschen meine Flammen
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Ungestillter Sehnsucht Raub,
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Sinken in sich selbst zusammen
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Wie mein Herz, zu Aschenstaub.
 
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Blumen nur, und keine Vasen
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Stehn auf dem bedeckten Sarg
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Den ein friedlich grüner Rasen
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Tief in seinem Schoos verbarg.
 
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Tropfen fallen, Flocken fliegen,
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Schlossen stöbern kalt herab,
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Sanftbewegte Winde wiegen
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Sich auf dem bemoosten Grab.
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Dünne Nebelwolken eilen
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Ueber mir am Himmel fort,
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Freundlich will die Sonne weilen:
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Fühl’ ich’s nicht an meinem Ort.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25.9 KB)

Details zum Gedicht „Das Grab“

Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
32
Anzahl Wörter
143
Entstehungsjahr
1799
Epoche
Klassik,
Romantik

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Das Grab“ ist Johann Christoph Ludwig Thilo, der von 1775 bis 1854 lebte. Somit kann man das Gedicht in die Epoche der Romantik einordnen.

Beim ersten Eindruck wirkt das Gedicht etwas düster und melancholisch, es scheint um Tod, Vergänglichkeit und Einsamkeit zu gehen. Es ist auch eine gewisse Ruhe und Frieden zu spüren, die womöglich das Ende von Schmerz und Sehnsucht darstellen.

Der Inhalt offenbart sich in den Darstellungen vom lyrischen Ich, das offensichtlich auf seinen eigenen Tod hindeutet. In der ersten Strophe fallen verwelkte Blätter auf ein Grab, was ein Symbol für Tod und Vergänglichkeit ist. In der zweiten Strophe wünscht sich das lyrische Ich, seine eigenen „müden Glieder“ in den Tod hinein zu senken. Der Wunsch nach Ruhe und dem Ende des Schmerzes wird deutlich. In der dritten und vierten Strophe handelt es sich um das Verlöschen von Sehnsucht und das Bild eines mit Blumen bedeckten Sarges. Dies symbolisiert den endgültigen Tod und das Andenken an das lyrische Ich. Die letzte Strophe vervollständigt das Bild mit der Darstellung von Wetterelementen, welche auf dem Grab tanzen und die Unbehelligtheit des Todes symbolisieren.

Die Form des Gedichts besteht aus fünf Strophen mit jeweils 8, 8, 4, 4 und wieder 8 Versen. Dieses wechselnde Muster könnte das Auf und Ab des Lebens und der Emotionen des lyrischen Ichs darstellen. Die Sprache des Gedichts ist eher formal und die Stimmung ist durchgängig melancholisch und ruhig. Es wird viel mit den Elementen der Natur gearbeitet, um Emotionen und Zustände zu verdeutlichen. Metaphern und Symbole sind stark verwendet, um den Tod und das Ende von Leiden und Sehnsucht darzustellen.

Insgesamt handelt das Gedicht „Das Grab“ von der Sehnsucht nach Tod als Erlösung von Schmerz und Leiden. Dieses Thema wird durch die Nutzung von Naturelementen und Symbolen emotional und eindrucksvoll vermittelt. Es ist ein klassisches Beispiel für die melancholische und introspektive Lyrik der Romantik.

Weitere Informationen

Das Gedicht „Das Grab“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Johann Christoph Ludwig Thilo. Thilo wurde im Jahr 1775 geboren. 1799 ist das Gedicht entstanden. Erschienen ist der Text in Tübingen. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zu den Epochen Klassik oder Romantik zu. Die Richtigkeit der Epochen sollte vor Verwendung geprüft werden. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da es keine starren zeitlichen Grenzen bei der Epochenbestimmung gibt, können hierbei Fehler entstehen. Das vorliegende Gedicht umfasst 143 Wörter. Es baut sich aus 5 Strophen auf und besteht aus 32 Versen. Der Dichter Johann Christoph Ludwig Thilo ist auch der Autor für das Gedicht „An Mignon“. Zum Autor des Gedichtes „Das Grab“ haben wir auf abi-pur.de keine weiteren Gedichte veröffentlicht.

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