Schiller, Friedrich - Die Räuber (Interpretation einer Dramenszene III 2)

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Referat

Interpretation einer Dramenszene: Friedrich Schiller „Die Räuber“ III/2

Aufgabe: Interpretieren Sie die Szene III/2 unter dem Aspekt, inwiefern sich darin Karls innere Zerrissenheit offenbart.

Die zu interpretierende Szene stammt aus Schillers Werk „Die Räuber“. Zu jener Zeit herrschte der Absolutismus in Deutschland. Die Bevölkerung wurde unterdrückt und der oberste Herrscher hatte allein die vollständige (absolute)Macht, das Volk folglich auch keinen Einfluss auf die Politik des Staates. Die Rebellion gegen die Ungerechtigkeiten des Absolutismus erfolgte, erst im Untergrund, dann öffentlich in der Form „Sturm und Drang“ (1770 – 1785). Während dieser Ära waren Ideale wie die Gefühle, Sinne, Natur und die Formlosigkeit des Schreibens vorherrschend. In diese Zeit gliedert sich auch das Drama „Die Räuber“ ein, das 1781 herausgegeben wurde.

Die Szene ist in der Zuspitzung des Konflikts angesiedelt. Der Konflikt betrifft Karl Moor. Dieser hatte sich von seiner Familie abgewandt und sich dem Räuberleben verschrieben. Nachdem er von seinem Vater einen Brief bekommen hatte – in dem dieser ihn verstößt, weil er von Karls Leben als Räuber erfahren hatte – schwor Karl Räuberhauptmann in seiner Bande zu werden und seine Familie zu verlassen. Allerdings hegte er trotzdem den Wunsch sich von dieser neuen Lebensweise wieder abzukehren und in den Schoß der Familie zurückzufinden. Dieser Konflikt ist einer der beiden Haupthandlungsstränge des Dramas und zieht sich somit durch das gesamte Werk. In der Szene wird der Konflikt mit dem Erscheinen Kosinskys entscheidend vorangebracht. Dieser wollte in die Räuberbande aufgenommen werden. Durch Kosinsky trifft Karl dann eine Entscheidung zu seinem Konflikt. Die Szene III/2 ist der Wendepunkt im Text. Das Zusammenführen der beiden Handlungsstränge im nächsten Akt wird an dieser Stelle vorbereitet, d.h. der Konflikt Karls mit seiner enttäuschten Liebe zum Vater, dem alten Moor, und der Konflikt zwischen dem alten Moor und Karls Bruder Franz, welcher von der Zerstörung der familiären Bindung durch Franz handelt.

Die Personen dieser Szene belaufen sich auf Karl, seine Räuberbande und Kosinsky. Karl bildet hierbei den Dreh- und Angelpunkt der Gespräche. Kosinsky kam neu zur Bande und wollte aufgenommen werden. Aus dem Kreis der Räuberbande hatte sich nur Schweizer zu dem Anliegen Kosinskys geäußert. Er war von der neuen Kraft, die Kosinsky mit sich bringt, überzeugt. Doch Karl verhielt sich Kosinsky gegenüber zunächst sehr abgeneigt. Er sperrt sich unbewusst gegen die frische Energie und den jungen Elan Kosinskys, die dieser mit in die Gruppe bringen würde. Von Kosinsky überzeugt wurde Karl erst später, nachdem Kosinsky sehr schwerlich Überzeugungsarbeit geleistet hatte und unbewusst die Entscheidungshilfe für Karl gewesen war. Kosinsky war demzufolge der „treibende Keil“ für Karl und somit auch für den Fortgang des Dramas.

Im 2. Akt wurden die Räuber in einen schweren Kampf verwickelt, bei dem das Bandenmitglied Roller umkam. Roller war erst kurze Zeit vorher von seinen Kameraden vorm Galgen gerettet worden, indem eine ganze Stadt angezündet worden war. Bei diesem Überfall kamen über 80 unschuldige Menschen zu Tode, was Karl an dem Sinn der Taten seiner Bande, an seiner Position als Hauptmann und an seinen Idealen zweifeln lässt. Letztendlich kam er zu dem Schluss, dass die Räuber seine Ideale nicht teilen, was ihn sehr in seiner Rolle verunsicherte. Er fiel deshalb in eine tiefe Melancholie, die man schon fast als Depressionen bezeichnen könnte. In dieser Situation war er sehr sentimental geprägt und verlor sich in weitschweifende Reflektionen, immer mit dem Hintergedanken an Roller.

Das Leben assoziierte er mit der Natur (als Symbol verwendet). Karl denkt darüber nach, dass man sich in seinem Leben alles mühevoll und über einen längeren Zeitraum hart erarbeitet, doch wenn man kurz davor ist sein Ziel zu erreichen kann durch ein Unglück oder einen dummen Zufall jede Mühe umsonst gewesen sein und man muss von Neuem beginnen (S.66 Z. 7-19). Genauso verhält es sich mit dem von ihm genannten Symbol, bei dem er das Leben als Lotto bezeichnet. Man investiert das ganze Leben über in eine Sache, steckt seine ganze Kraft in ein Ziel und letztendlich erreicht man doch keinen Treffer, bzw. erreicht den Endzweck seines Lebens doch nicht. Diese Überlegungen beziehen sich alle auf Roller, der nur wenige Tage vor der Schlacht so mühevoll und aufwendig vor dem sicheren Tod gerettet worden war und dann im Endeffekt doch starb. Karls Gedanken schweiften immer weiter aus, doch keiner in der Räuberbande verstand ihn wirklich. Seinen Zweifel am Leben legten sie eher als Irrsinn aus, als sie für wahre Münze zu nehmen. Die Gespräche zwischen Karl und den Räubern liefen nicht auf einer Ebene ab. Karl hatte sehr tiefschürfende Gedanken, sorgte sich um seine Zukunft und hielt ausschweifende Monologe. Die Räuber antworteten ihm zwar, aber nur in kurzen, rauen Ellipsen. Man kann das Gespräch nicht als Dialog bezeichnen, da die Räuber nicht den symbolischen Sinn von Karls Überlegungen verstanden. Sie gingen nicht in der Art auf ihn ein, wie er es sich vielleicht erhofft hätte, da sie nicht die Tiefgründigkeit besaßen, um ihn zu verstehen und auch nicht genug nachgedacht hatten um sich in ihn hineinversetzen zu können. Die Räuber gingen demnach nicht auf Karl ein. Auch bemerkten sie nicht die, nur indirekt angesprochenen, suizidalen Gedanken Karls. Dieser ungeheure Durst, der ihn quälte, war nicht nur der Durst nach Wasser. Dieses Schmachten war hauptsächlich metaphorisch gemeint und sollte mehr auf Karls psychisches als auf sein physisches Verlangen hinweisen: nach der Schlacht, dem Tod Rollers und dem immer schlimmer nagenden Konflikt um seine Familie war Karl vollends erschöpft und „dürstete“ eigentlich nach Frieden und einem geordnetem Leben mit seiner Familie und seiner Geliebten Amalia. Das merkt man daran, dass er von der Ruhe im Schloss seines Vaters schwärmte, davon träumte wieder im Leib seiner Mutter zu sein und sich in den Gedanken vertiefte ein ganz normales Leben als Bettler oder Tagelöhner zu führen. Außerdem verwendet er in seinen Sätzen oft Parenthesen, was widerspiegelt, dass sein Leben in gewisser Weise unvollständig und zerrissen ist. Er hatte das Morden, die Plündereien, Überfälle und das ständige Verstoßen gegen das Gesetz satt. Da spielt wieder jener Fakt eine große Rolle, dass die Räuber Karls Ideale nicht vertreten. Karl möchte ein rechtschaffener Räuber sein und nicht, wie bei der Befreiung Rollers, morden und ganze Städte in Brand stecken.

Der Nebentext der Szene beweist auch nichts Entgegengesetztes. Ganz im Gegenteil verdeutlicht er nur den Haupttext, d.h. dass die Aussagen, besonders die Karls, im Einklang mit dem Innenleben der Personen stehen und das Gesagte auch von den Dialogpartnern gemeint war. Er gibt keine neuen Informationen zur Handlung, sondern verdeutlicht das Geschehen nur. Dies ist im gesamten Text der Fall.

Im zweiten Teil des Textes erfolgt dann erst allmählich der Umbruch im Drama mit dem Auftritt Kosinskys. Im Laufe des Gesprächs stellt sich heraus, dass Kosinsky Karl, zwar nicht in Bezug auf den Status in der Bande, jedoch hinreichend des Intellekts ebenbürtig ist. Die beiden liegen auf einer Diskussionsebene, verstehen einander und gehen auch auf den anderen ein. Zu Beginn sträubte sich Karl zwar Kosinsky in die Bande aufzunehmen. Umso überraschender wirkt deshalb allerdings der abrupte Meinungswechsel Karls. Dieser ist dennoch eindeutig zu erklären: Am Anfang der Diskussion zwischen Karl und Kosinsky war Karl der Meinung, dass Kosinsky für das Leben als Räuber noch viel zu naiv, unerfahren und zu jung, sowie sich der Gefahr und Belastung des Räuberlebens nicht vollkommen bewusst sei. Karl benutzte Chiffren (S. 71 Z. 13-18), negativ wirkende Metaphern („Pfeile des Schmerzens“, „leidende Natur“) und genauso gemeinte Vergleiche („trocken wie eine Scherbe“) sowie den Pleonasmus(„die Tiefe des Abgrunds“) um Kosinsky verständlich zu machen, dass das Dasein als Räuber kein Leben voll Heldentum und Ehre ist. Er stellte Kosinsky rhetorische Fragen, um eventuelle Gegenargumente zu entkräften und ihn zu dem Entschluss zu bringen, dass er lieber kein „Meuchelmörder“ werden solle. Kosinsky aber gab nicht auf und wollte Karl überzeugen ihn doch aufzunehmen, indem er ihm seinen ganzen unglücklichen Lebenslauf erzählte. Anfangs wollte ihn Karl nicht hören, als Kosinsky jedoch auf den Tod seines Vaters zu sprechen kam und von seiner Verlobten Amalia berichtete, deren Glück durch fingierte Briefe zerstört wurde, begann in Karls innerster Seele ein Aufruhr. Diese Geschichte erweckte in ihm die Sehnsucht und das Verlangen nach seiner Amalia. Infolgedessen fasst er den Entschluss, zum Schloss seines Vaters und zu Amalia zurückzukehren. Vor allem wollte er Amalia „befreien“ und wieder ein ruhiges, gesittetes Leben mit seiner Familie und ihr führen. Zwar war für ihn zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss, ob es die „richtige“ Entscheidung sein sollte, aber auf jeden Fall war er voll und ganz von seinem Vorhaben überzeugt wieder in den Schoß der Familie zu finden. Durch diese Entscheidung wird der Fortgang des Dramas entscheidend beeinflusst werden. Der „treibende Keil“ für das Voranbringen des Konflikts war demzufolge Kosinsky, der in Karl wieder den Kampfgeist für Amalia und seine Familie erweckt hatte und ihm den Sinn für sein Leben zurückgegeben hatte. Er trägt die Schlüsselrolle in der Szene III/2, die die Schlüsselszene des gesamten Dramas ist, also der Beginn der allmählichen Auflösung von Karls innerer Zerrissenheit.

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