Becker, Jurek - Jakob der Lügner (Kritik zum Film aus dem Jahr 1974)

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Jurek Becker, Filmkritik, Frank Beyer, DEFA, Referat, Hausaufgabe, Becker, Jurek - Jakob der Lügner (Kritik zum Film aus dem Jahr 1974)
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Filmkritik zu „Jakob der Lügner“ 1974 verfilmt von Frank Beyer

Im Folgenden soll erläutert werden, ob es sich bei der von Frank Beyer geleiteten Verfilmung von „Jakob der Lügner“ um eine gelungene Umsetzung des Romans von Jurek Becker handelt. Hierzu werden diverse Vergleiche zwischen Buch und Film vorgenommen.

Zuvor ist jedoch vielleicht noch erwähnenswert, dass Jurek Becker „Jakob der Lügner“ ursprünglich (1965) als Drehbuch für einen Fernsehfilm angelegt und erst drei Jahre später daraus den weltweit erfolgreichen Roman verfasst hat. Somit liegt für den Film schon mal eine andere Ausgangssituation vor, da in diesem Fall der Film in gewisser Weise vor dem Buch existiert hat.

Allerdings tauchen dadurch auch wiederum einige Elemente aus dem Buch nicht im Film auf, wie zum Beispiel der Tod von Kirschbaum, welcher zu sehr von der eigentlichen Handlung abgewichen wäre oder die zwei verschiedenen Endversionen, von welchen nur die im Buch als real geltende dargestellt wird. Dies ist jedoch ebenfalls nicht negativ zu werten, da somit eine Zuschauerverwirrung vermieden wird, was vor allem durch das Fehlen des Ich-Erzählers im Film entstanden wäre. Dieser Aspekt hat auch den Vorteil, dass dem Zuschauer nicht das Ende der Geschichte, also das Überleben einiger Menschen, vorweggenommen wird.

Andererseits erhält man im Film keinerlei hinweise darauf, wie sich das Schicksal der deportierten Ghettobewohner des Weiteren gestaltet, was ein etwas unzufriedenes Gefühl hinterlässt. Dafür werden wiederum anderen Elementen mehr Gewichtung verliehen, wie beispielsweise der Freundin Jakobs, die im Buch nur sehr kurz erwähnt wird und im Film hingegen einige Szenen füllt. Auch wird hier die Thematik vom Verfälschen der Nachricht bewusster hervorgehoben und deutlicher veranschaulicht als im Buch. Ferner gibt es ein paar wenige Ungenauigkeiten bezüglich des Aussehens der Schauspieler. Zum einen hat Mischa keine blauen Augen, was jedoch im Buch so geschildert wird, und zum anderen ist auch von der im Film gezeigten Brille Kowalskis nie die Rede.

Ansonsten ergeben sich nur noch sehr subjektive Unstimmigkeiten der Personendarstellung, die sich jeder Leser in seiner eigenen Fantasie anders ausmalt als sie letztlich im Film vorgestellt werden. So habe ich mir persönlich Jakob Heym wesentlich hagerer und älter vorgestellt, während ich bei dem Assimilinski Schmidt ein jüngeres Bild erwartet habe. Im Großen und Ganzen ist die Schauspielerauswahl jedoch sehr gut und zutreffend getroffen worden, was zu einer gelungenen Umsetzung des Romans beiträgt. Mir gefällt auch gut, dass Frank Beyer weitgehend auf dramatisierende Effekte verzichtet und sich mehr auf die im Buch entstehende Atmosphäre konzentriert hat. Dadurch ist ein werkgetreuer und mit humorvollen Szenen gespickter Film möglich geworden, der einen jedoch stets an den richtigen Stellen durch ergreifende Szenen auf den Boden der Wahrheit zurückholt und eine nicht verharmlostes Ghettoleben veranschaulicht.

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