Wolken flattern groß um den Mond von Richard Dehmel

Wolken flattern groß um den Mond;
als ob in staubenden goldbraunen Lappen
eine mächtige Zauberspinne thront.
Die Schritte zweier Menschen tappen
durch eine schattenflackernde Gasse.
Ein Weib sagt mit entzücktem Hasse:
 
Mein Herz darf Freiheit von diesem Menschen verlangen,
der nichts als meine Mitgift hat gefreit,
und der nichts liebt als ein alt Krongeschmeid,
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das Einzige, was Ich von ihm empfangen.
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Es ist sehr schön - ein Nest von blinden Schlangen
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mit rauchtopasenen Stirn- und Rückenflächen;
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draus äugt, wie jetzt der Mond durchs Dunkel,
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ein großer bläulicher Karfunkel
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den möcht ich ihm, Das würde mich rächen,
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über der Wiege meines Kinds zerbrechen!
 
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Wolken wühlen schwer um den Mond;
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als ob durch silbergraue Schollen
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mächtige Maulwürfe dringen wollen.
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Ein Mann entgegnet, sehr betonend:
 
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Was du von ihm empfangen hast,
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ist meiner Seele keine Last;
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auch nicht das Kind von seinem Blut!
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Aber ich hab ein unabwälzbares Grauen
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vor den Gelüsten schwangrer Frauen;
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die sind der Seele blindeste Brut.
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Vergleich mir nicht den Reiz von toten Steinen
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mit dem belebenden Licht, dem reinen;
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daß du jetzt arm bist, leite dich hinauf!
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Was buhlst du mit Topasen und Karfunkeln
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sei reicher -: hebe deine dunkeln
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Augen mit mir zum Himmel auf!
 
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Er staunt: sie steht jäh still im Schreiten:
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in ihren Augen und Mundwinkeln streiten
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Auflehnung, Pein, Verwundrung, Glück, Ermatten.
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Zwei Menschen werfen Einen Schatten.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.8 KB)

Details zum Gedicht „Wolken flattern groß um den Mond“

Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
36
Anzahl Wörter
222
Entstehungsjahr
1863 - 1920
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Wolken flattern groß um den Mond“ ist Richard Dehmel. Der Autor Richard Dehmel wurde 1863 in Wendisch-Hermsdorf, Mark Brandenburg geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1879 und 1920. Eine Zuordnung des Gedichtes zur Epoche Moderne kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Dehmel ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das Gedicht besteht aus 36 Versen mit insgesamt 5 Strophen und umfasst dabei 222 Worte. Der Dichter Richard Dehmel ist auch der Autor für Gedichte wie „Bitte“, „Büßende Liebe“ und „Chinesisches Trinklied“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Wolken flattern groß um den Mond“ weitere 522 Gedichte vor.

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