Wohlan! so bin ich deiner los von Clemens Brentano

Wohlan! so bin ich deiner los
Du freches lüderliches Weib!
Fluch über deinen sündenvollen Schoß
Fluch über deinen feilen geilen Leib,
Fluch über deine lüderlichen Brüste
Von Zucht und Wahrheit leer,
Von Schand' und Lügen schwer,
Ein schmutzig Kissen aller eklen Lüste.
Fluch über jede tote Stunde
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Die ich an deinem lügenvollen Munde,
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In ekelhafter Küsse Rausch vollbracht,
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Fluch über jede gottvergeßne Nacht,
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Die ich in deinem frechen Bett erhandelt,
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Die ich in toller Liebe überwacht,
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Wohl unter deinem Fenster hingewandelt,
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Wenn du mit andern in dem Werk befangen,
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Mit andrer Lüg' an anderm Mund gehangen.
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Mein Gott, mein Gott, er will sich mein erbarmen,
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Mein Herr hat mich befreit aus deinen Armen,
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Wohin dein Gott, der Satan mich geführt;
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Drum hab' ich nimmer dir dein Herz gerührt,
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Und wie ich mochte bitten, mochte flehen,
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Kein edles Wort hört' ich von dir erstehen,
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Du drohst, du elend Weib, dich zu ermorden,
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O könntest du's, es stürb' dein ganzer Orden,
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Doch spar' die Mühe nur, denn du bist längstens tot,
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Längst faulst du in dir selbst, in Sünd' und Lügenkot.
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Schneidst du den Hals dir ab
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Und springst du in die Spree,
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Du findest nie ein Grab
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Die Spreu schwimmt in der Höh'.
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Des Todes heiliger Traum
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Wird nimmer dich erlösen
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Es stirbt ein grüner Baum,
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Doch nie ein dürrer Besen.
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Zur eignen Rute wirst du noch an deinem Rücken,
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Und höchstens reicht dein Leib dir einstens schlechte Krücken.
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Wohlan, du elend Weib, nun sind wir auf der Stelle
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Wo wir zuerst uns sahn, ich, du, und dein Geselle,
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Ich mein' den Teufel, Weib, der deine Seele reitet,
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Hör' wie sein Flügel rauscht, den über dir er breitet,
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Ich hör' den dunklen Fluß, es tönt die dumpfe Welle,
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Du Lügnerin leb wohl, leb schlecht, hier ist die Schwelle,
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Wo sich mein reuig Herz, von dir du Hexe scheidet,
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Verdorren mag der Fuß, der je dein Bett beschreitet,
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Ich hab' dich nie gekannt, ich hab' dich nie gesehen,
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Es war ein böser Traum, er muß hinuntergehen,
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Das lüderliche Buch, um das du mich betrogen,
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Aus dem du geile Brunst für andrer Lust gesogen,
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Ich werfe es hinab in diese schmutz'gen Wogen,
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Und mit ihm werf' ich hin, was ich für dich gefühlt,
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Daß sich die böse Glut, die mir das Herz zerwühlt,
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In dieses Flusses trüber Welle kühlt.
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Nimm hin den Scheidekuß,
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Ich geb' ihn ohn' Verdruß,
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Von mir sei dir verziehn,
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Wend' dich, zu Gott dahin,
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Und fleh', daß er verzeih',
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Dem Sünder steht es frei.
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Er ist für dich, für mich, für alle uns gestorben,
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Ich habe im Gebet mir Trost von ihm erworben.
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Ich gab des Heilands Bild in deine schnöden Hände,
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So bin durch dich ich auch zu einem Judas worden,
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Den Herrn hab' ich verkauft, an die, die ihn ermorden,
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Erbarm' dich meiner Seel', und zu dem Kreuz dich wende,
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O mache, daß an dir dies Bild ein Wunder tut,
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Und daß er dich erlöst mit seinem heiligen Blut,
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So darf ich ruhig sein, daß ich so fromme Gabe
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An dich, du elend Weib, so schnöd vergeudet habe,
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Nun wend' ich mich von dir, ich will in Friede gehn,
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Ich will unschuldig nun die Sterne wiedersehn,
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Ich will zu Gott dem Herrn um Hülfe für dich flehn,
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Daß dich die Gnade sein barmherzig mög' anwehn,
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Daß einen Engel er, zu dir ermahnen sende,
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Daß er dein elend Herz wie meines zu sich wende,
76 
So gehet nicht mein Schmerz, doch Leid und Lieb' zu Ende.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (30.4 KB)

Details zum Gedicht „Wohlan! so bin ich deiner los“

Anzahl Strophen
1
Anzahl Verse
76
Anzahl Wörter
577
Entstehungsjahr
1778 - 1842
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Wohlan! so bin ich deiner los“ ist Clemens Brentano. Brentano wurde im Jahr 1778 in Ehrenbreitstein (Koblenz) geboren. Zwischen den Jahren 1794 und 1842 ist das Gedicht entstanden. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Romantik zuordnen. Brentano ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche.

Die Romantik ist eine Epoche der Kulturgeschichte, zeitlich anzusiedeln vom späten 18. Jahrhundert bis tief in das 19. Jahrhundert hinein. Auf die Literatur bezogen: von 1795 bis 1848. Sie hatte umfangreiche Auswirkungen auf Literatur, Kunst, Musik und Philosophie jener Zeit. Die Literaturepoche der Romantik (ca. 1795–1848) lässt sich in Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1848) aufgliedern. Die Welt, die sich durch die einsetzende Industrialisierung und Verstädterung mehr und mehr veränderte, verunsicherte die Menschen. Die Französische Revolution in den Jahren 1789 bis 1799 hatte ebenfalls Auswirkungen auf die Romantik. In der Romantik finden sich verschiedene charakteristische Motivkreise. Sehnsucht und Liebe (Blaue Blume) oder das Unheimliche (Spiegelmotiv) sind bedeutende Motive. Auch politische Motive wie Weltflucht, Nationalismus und Gesellschaftskritik lassen sich aufzeigen. Das Mittelalter gilt bei den Romantikern als Ideal und wird verherrlicht. Übel und Missstände des Mittelalters bleiben jedoch unbeachtet. Die Romantik stellt die Freiheit der Phantasie sowohl über die Form als auch über den Inhalt des Werkes. Eine Konsequenz daraus ist ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Lyrik und Epik. Die festen Regeln und Ziele der Klassik werden in der Romantik zurückgelassen. Eine gewisse Maß- und Regellosigkeit in den Werken fällt auf.

Das Gedicht besteht aus 76 Versen mit nur einer Strophe und umfasst dabei 577 Worte. Weitere Werke des Dichters Clemens Brentano sind „Als Herr Künzel neulich bat“, „Kennt ihr das Fräulein Dienchen nicht ...“ und „Ihr himmlischen Fernen“. Zum Autor des Gedichtes „Wohlan! so bin ich deiner los“ haben wir auf abi-pur.de weitere 297 Gedichte veröffentlicht.

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