Amore von Franz Werfel

Wenn noch die Eitelkeit
Das Auge dir entweiht,
Ist kommen nicht die Zeit.
 
Solang du noch willst stehn
Auf Podien, gesehn,
Kann Glücks dir nicht geschehn.
 
Wer sich noch nicht zerbrach,
Sich öffnend jeder Schmach,
Ist Gottes noch nicht wach.
 
10 
Wer noch mit Eifer spitzt,
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Daß er ein Weib besitzt,
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Ist noch nicht ausgewitzt.
 
13 
Erst wenn ein Mensch zerging
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In jedem Tier und Ding,
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Zu lieben er anfing.
 
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Erst wer Erfüllung floh,
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Wächst an zum Höchsten so,
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Wird letzter Sehnsucht froh.
 
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Erst wer sich jauchzend bot
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Der Schande und der Not
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Und zehnfach jedem Tod,
 
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Im heiligsten Verzicht,
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Vor Liebe ihm zerbricht
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Sein irdisch Angesicht!
 
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Wohin schwillt er empor?
26 
Was schwingt er überm Chor
27 
Unendlich sein amor'!!
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25.5 KB)

Details zum Gedicht „Amore“

Autor
Franz Werfel
Anzahl Strophen
9
Anzahl Verse
27
Anzahl Wörter
117
Entstehungsjahr
1890 - 1945
Epoche
Expressionismus,
Exilliteratur

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Amore“ des Autors Franz Werfel. Im Jahr 1890 wurde Werfel in Prag / Österreich-Ungarn geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1906 und 1945. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her den Epochen Expressionismus oder Exilliteratur zuordnen. Bei Werfel handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen.

Zur Zeit des Nationalsozialismus mussten viele Schriftsteller ins Ausland fliehen. Dort entstand die sogenannte Exilliteratur. Ausgangspunkt der Exilbewegung ist der Tag der Bücherverbrennung im Mai 1933 im nationalsozialistischen Deutschland. Alle nicht-arischen Werke wurden verboten und symbolträchtig verbrannt. Daraufhin flohen zahlreiche Schriftsteller aus Deutschland ins Ausland. Die deutsche Exilliteratur schließt an die Neue Sachlichkeit der Weimarer Republik an und bildet damit eine eigene Literaturepoche in der deutschen Literaturgeschichte. Die Themen der Exilliteratur Deutschlands lassen sich zunächst in zwei Gruppen einteilen. Einige Autoren fühlten sich in ihrer neuen Heimat nicht zu Hause, hatten Heimweh und wollten einfach in ihr altes Leben vor dem Nationalsozialismus zurückkehren. Oft konnten sie im Ausland nicht mehr ihrer Tätigkeit als Schriftsteller nachgehen, da sie nur in deutscher Sprache schreiben konnten, was im Ausland niemand verstand. Heimweh und ihre Liebe zum Mutterland sind die Themen in ihren Werken. Die anderen Schriftsteller wollten sich gegen Nazideutschland wehren. Man wollte zum einen die Welt über die Grausamkeiten in Deutschland aufklären. Zum anderen aber auch den Widerstand unterstützen. Anders als andere Epochen der Literatur, die zum Beispiel bei der formalen Gestaltung (also in Sachen Metrum, Reimschema oder dem Gebrauch bestimmter rhetorischer Mittel) ganz charakteristische Merkmale aufweisen, ist die Exilliteratur nicht durch bestimmte formale Merkmale gekennzeichnet. Die Exilliteratur weist häufig einen Pluralismus der Stile (Expressionismus, Realismus), eine kritische Betrachtung der Wirklichkeit und eine Distanz zwischen Werk und Leser oder Publikum auf. Sie hat häufig die Absicht zur Aufklärung und möchte gesellschaftliche Entwicklungen aufzeigen (wandelnder Mensch, Abhängigkeit von der Gesellschaft).

Das Gedicht besteht aus 27 Versen mit insgesamt 9 Strophen und umfasst dabei 117 Worte. Weitere bekannte Gedichte des Autors Franz Werfel sind „Die Leidenschaftlichen“, „Alte Dienstboten“ und „Ein Lebens-Lied“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Amore“ weitere 22 Gedichte vor.

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