Eichendorff, Joseph von - Winternacht (Interpretation)

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Joseph von Eichendorff, Gedichtinterpretation, Analyse, Vers, Zeile, Interpretiere das Gedicht Winternacht, Referat, Hausaufgabe, Eichendorff, Joseph von - Winternacht (Interpretation)
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Referat

„Winternacht“ (1839) von Joseph von Eichendorff

Aufgabe: Interpretiere das Gedicht „Winternacht“ (1839) von Joseph von Eichendorff

Winternacht (1839) Joseph von Eichendorff

1 Verschneit liegt rings die ganze Welt,
2 Ich hab nichts, was mich freuet,
3 Verlassen steht der Baum im Feld,
4 Hat längst sein Laub verstreuet.
   
5 Der Wind nur geht bei stiller Nacht
6 Und rüttelt an dem Baume,
7 Da rührt er seinen Wipfel sacht
8 Und redet wie im Traume.
   
9 Er träumt von künftger Frühlingszeit,
10 Von Grün und Quellenrauschen,
11 Wo er im neuen Blütenkleid
12 Zu Gottes Lob wird rauschen.


Stellt man sich einen typischen Winterabend mit darauffolgender Nacht vor, so kommt einem vermutlich eine schneebedeckte, ruhige Gegend in den Sinn. Manche sehen ein kleines beleuchtetes Dorf, was von weißem Pulverschnee bedeckt ist, andere sehen einen schneebedeckten Wald, in dem sich vereinzelt Wanderer befinden. Viele verlieren ihre Hoffnung, fühlen sich einsam und verlassen, da man draußen fast niemandem begegnet. Nicht umsonst wird der Winter auch mit dem Tod assoziiert. Die Menschen freuen sich in dieser dunklen Jahreszeit auf den Frühling, welcher Hoffnung bringt, da dort alles zu wachsen beginnt und sie wieder mehr Menschen begegnen.

In dem Gedicht „Winternacht“, welches 1839 von dem Spätromantiker Joseph von Eichendorff verfasst wurde, geht es um eine Winternacht, welche von einem lyrischen Ich beschrieben wird. Dabei wird nicht nur eine Nacht, sondern auch der Winter und seine Folgen allgemein thematisiert. Das lyrische Ich fühlt sich einsam, unglücklich und freut sich auf den kommenden Frühling.

Das 3-strophige Gedicht folgt dem durchgängigen Kreuzreimschema. Da jede Strophe aus je 4 Versen besteht, gibt es immer zwei Kreuzreime pro Strophe. Dabei sind der erste und dritte Vers jeweils im 4-hebigen Jambus verfasst, während der zweite und vierte Vers jeweils im 3-hebigen Jambus verfasst sind. Durch den Reim und den gleichhebigen Jambus werden diese Verse miteinander verknüpft. Diese Verknüpfung wird noch weiter hervorgehoben durch die sich abwechselnde männliche und weibliche Kadenz. Die sich reimenden Verse haben jeweils die gleiche Kadenz und gleich viele Hebungen. Die vorwiegend parataktische Aneinanderreihung der in einfacher Standardsprache verfassten Hauptsätze macht das Gedicht leicht verständlich für jeden. So konnte es damals auch das eher ungebildetere Volk lesen und war nicht nur für gebildete Menschen gedacht.

Da das Gedicht „Winternacht“ heißt, bezieht sich gleich das erste Wort „Verschneit“ (V. 1) auf eben diesen Winter. Das erste Wort “Verlassen“ (V. 3) des verknüpften Verses bezieht sich auf die Nacht, das zweite Nomen des Titel. Nachts ist oft alles verlassen und im Winter ist alles verschneit.

Durch Verben, wie „liegt“ (V. 1), „steht“ (V. 3), „steht“ (V. 3), „geht“ (V. 5), „redet“ (V 8) und „träumt“ (V. 9) entsteht eine ruhige Wirkung, da die ganzen Verben keine große Handlung mit sich bringen. Durch Adjektive, wie „Verschneit“ (V. 1), „Verlassen“ (V. 3), „still“ (vgl. V. 5) und „sacht“ (V. 7, mit denen der Winter und die Situation beschrieben werden, wird diese Ruhe weiterhin beschrieben und wahrgenommen, während der Frühling wieder Bewegung und Farbe mitbringt. Diese Bewegung wird deutlich durch Wörter, wie „rauschen“ (V. 12) oder „Grün“ (V. 10), was im Vergleich zum Weißen Winter eine lebendige Farbe ist.

Das Weiß im Winter erinnert sehr an eine Leiche, die ebenfalls weißlich ist und dadurch blass wirkt. So ist eine Leiche zum Beispiel auch friedlich und ruhig, wie der Winter, während dem die Natur ebenfalls tot und friedlich erscheint. Der einsame, verlassene „Baum im Feld“ (V. 3) hat zwar „längst sein Laub verstreut“ (V. 4), ist demnach ein Zeichen für Leben, da Bäume den Jahreszeitenrythmus widerspiegeln, da die Blätter zwar abfallen , im Frühjahr aber wieder neu blühen und „leben“, bis sie wieder abfallen. Der einsame Baum hat nichts um sich herum, genau wie das lyrische Ich, welches sich ebenfalls an nichts erfreuen kann. „Ich hab nichts, was mich freuet“ (V. 2) zeigt die Gefühle des lyrischen Ichs deutlich. Es fühlt sich verloren und ebenso wie der Baum fehl am Platz. Das längst verstreute Laub des Baumes kann man auf die längst vergangene Freude und Hoffnung des lyrischen Ichs projizieren. Der zweite Vers wird von den anderen abgehoben, da er durch ein Komma unterbrochen wird, was den Lesefluss stoppt. So beschäftigt sich der Leser intensiver mit der Situation des lyrischen Ichs, welches nur an dieser Stelle erwähnt wird. Das zeigt nochmals die Wichtigkeit des lyrischen Ichs und hebt seine Unzufriedenheit hervor.

Dass „der Wind nur geht bei stiller Nacht“ (V. 5) zeigt, dass der Winter nicht den vollständigen Tod bedeutet, da der Wind für Bewegung sorgt, indem er „rüttelt an dem Baume“ (V. 6). Dieses Rütteln passiert zwar nur manchmal, bildet aber einen deutlichen Kontrast zu der sonst so stillen Nacht. Durch diesen Windstoß „rührt er (der Baum) seinen Wipfel sacht“ (V. 7) und scheint dem Wind zu so zu antworten. Diese Antwort ist zwar etwas benommen und „sacht“ (V. 7), dennoch zeigt es, dass der Baum nicht ganz eingefroren ist und gar nicht mehr erwacht. Das Reden „wie im Traume“ (V. 8) verdeutlicht dies, da man im Traum auch etwas benommen ist nur spärlich antwortet.

Dass der Baum personifiziert wird, und reden beziehungsweise antworten kann, zeigt seine Wichtigkeit und das noch nicht alles starr und tot ist. Dass der Baum auch „von künftger Frühlingszeit“ (V. 9) träumt, zeigt die Hoffnung und die wiederkehrende Freude. Diese Freude lässt sich auf das lyrische Ich übertragen, da es dann eine Natur hat, an der es sich erfreuen kann. Das mit dem Frühling kommende Grün der Natur bilde einen Kontrast zu dem Weiß im Winter. Da Weiß nicht als Farbe gesehen wird, kann man diese Farblosigkeit auf die Hoffnungslosigkeit im Winter beziehen. Das Grün des Baumes im Frühling dagegen steht für Frische und Wachstum. Da Grün die Farbe der Hoffnung ist, und im Frühling alles grün wird, bringt der Frühling gleichzeitig Hoffnung für den Baum und das lyrische Ich. Die Lebendigkeit des Frühlings wird auch deutlich durch das „Quellenrauschen“ (V. 10), da Rauschen eine schnelle, dynamische Bewegung ist. Im Vergleich zum Winter, der starr ist, ist der Frühling also dynamisch. Der Baum, der „im neuen Blütenkleid“ (V. 11) rauschen wird, hat die Möglichkeit sich neu und lebendig einzukleiden, nachdem er längere Zeit nackt und hüllenlos war. Denkt man an ein Sommerkleid, denkt man oft an etwas luftig Leichtes. So wird der Baum bunt und leicht bedeckt und „rührt(…) seine Wipfel (nicht nur) sacht“ (V 7), sondern „wird rauschen“ (V. 12), was die Natur, die von Gott gesteuert wird, freuen wird. An dem rauschenden Baum hat das lyrische Ich etwas, an dem es sich in Zukunft erfreuen kann und ist nicht mehr unglücklich. So kann man das lyrische Ich, seine Gefühle und seinen Werdegang mit dem des Baumes gleichsetzen.

Abschließend kann man sagen, dass der Leser durch das Gedicht einen Einblick in die Natur im Winter bekommt und auf Dunkelheit immer Hoffnung folgt.

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